H.264, H.265 und AV1: Eine kurze Geschichte der Videocodecs
Ein Videoencoder hat genau eine Aufgabe: möglichst viel Bildinformation mit möglichst wenigen Daten erhalten. Ein einzelnes unkomprimiertes 1080p-Bild ist etwa 6 MB groß. Bei 30 Bildern pro Sekunde sind das 180 MB pro Sekunde – so lässt sich Video praktisch nicht übertragen. Mithilfe von Intra-Prädiktion, Inter-Prädiktion (die Ähnlichkeiten zwischen aufeinanderfolgenden Bildern nutzt), Transformationen und Quantisierung reduzieren Encoder die Daten auf wenige Prozent ihrer ursprünglichen Größe.
H.264 (AVC): Der Klassiker, der das Web seit über einem Jahrzehnt prägt
H.264 wurde 2003 veröffentlicht und ist der am breitesten unterstützte Codec: Jeder Browser, jedes Smartphone, jeder Fernseher und jede Kamera kann ihn decodieren. Er verbindet gute Komprimierung mit geringem Aufwand bei der Decodierung und bleibt für Videos auf den meisten Websites die erste Wahl. Die allgegenwärtigen MP4-Dateien sind in den allermeisten Fällen mit H.264 codiert.
H.265 (HEVC) und AV1: Der Wettbewerb der nächsten Generation
H.265 senkt die Bitrate gegenüber H.264 um etwa 40 %. Die meisten 4K- und HDR-Inhalte werden damit codiert. Allerdings ist die Patentlizenzierung kompliziert und die Browserunterstützung uneinheitlich; Firefox lehnte den Codec lange ab. AV1 wurde von der Alliance for Open Media (AOMedia) veröffentlicht, einem Zusammenschluss von Google, Netflix, Amazon und weiteren Unternehmen. Er erreicht eine ähnliche Komprimierungseffizienz wie H.265, ist aber vollständig lizenzgebührenfrei. Chrome, Firefox und Edge unterstützen ihn. Damit entwickelt er sich zunehmend zum neuen Standard für Streaming und das 8K-Zeitalter.
Was das für Downloads bedeutet
- Bei gleicher Auflösung sind AV1- und H.265-Dateien deutlich kleiner. Auf älteren Geräten können sie jedoch ruckeln oder sich gar nicht decodieren lassen.
- Wenn beim Herunterladen der ursprüngliche Codec erhalten bleibt, bleibt auch die Qualität am besten erhalten: Verluste durch erneutes Codieren entfallen.
- Das Zusammenführen und Transcodieren im Browser, wie es die Werkzeuge auf dieser Website ermöglichen, hängt davon ab, ob WebCodecs den jeweiligen Codec unterstützt.